Preisgekrönte afrikanische Fotografie im Herzen der Stadt

Image Afrique präsentiert fünf mit dem CAP Prize für zeitgenössische afrikanische Fotografie ausgezeichnete Arbeiten in einer grossformatigen Freiluftausstellung im Rahmen des Festivals auf dem Theaterplatz in Basel

Seit 2012 zeichnet jährlich eine internationale Jury, bestehend aus Persönlichkeiten der internationalen Fotografieszene, fünf Fotografinnen und Fotografen mit dem CAP Prize aus, deren Arbeit in einem afrikanischen Land entstanden ist oder sich mit einer Diaspora des Kontinents beschäftigt.

Der CAP Prize wird von der CAP Association verliehen und trägt dazu bei, afrikanische Fotografie in der Kunstwelt zu fördern und mehr Öffentlichkeit für Kunstschaffende zu erlangen, die sich mit dem afrikanischen Kontinent befassen.

Image Afrique lädt die fünf Preisträgerinnen und Preisträger zur Vernissage nach Basel ein. Im Anschluss an die Ausstellung in Basel werden die ausgezeichneten Projekte bei einer Reihe internationaler Fotografie Festivals, etwa dem LagosPhoto Festival in Nigeria oder dem Kerkennah01 in Tunesien gezeigt. So erreichen die Arbeiten ein internationales und breites Publikum, das mit einem zeitgemässen Bild Afrikas konfrontiert wird.

Die um die Welt gereisten Ausstellungsbanner werden nach dem Ausstellungszyklus zu Stofftaschen weiterverarbeitet und finden so einen nachhaltigen Nutzen.

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CAP Prize Ausstellung | 9. bis 17. Juni 2017
Theaterplatz, Klostergasse, Basel
Vernissage | Freitag, 09. Juni 2017, 18:00 Uhr

www.capprize.com
www.imageafrique.com


Alles Ägypter

2010 nimmt der Fotograf Nabil Boutros eine Selbstporträtserie auf, die die ägyptische Gesellschaft vorführt. Er kann nicht ahnen, dass über diese Gesellschaft ein Jahr später die Revolution hereinbrechen wird.

Auf die Idee zu der Serie kommt Nabil Boutros auf einem Flug in den Jemen. Er beobachtet einen Flugbegleiter an Bord, der wie er selbst Ägypter ist. „Dieser Mann hätte auch femininer oder maskuliner sein können. Am Ende kam ich zu dem Schluss, dass es reicht, seinen Look zu verändern, damit die Leute einem glauben. Bartträger werden von heute auf morgen zu Moralaposteln oder Kleinkriminelle mit Anzug und Krawatte zu Geschäftsleuten.“

So lässt sich Nabil Boutros Anfang 2010 einen Bart wachsen und beginnt sechs Monate später, sich selbst zu fotografieren. – Die Fotografie ist nicht von Anfang an seine Leidenschaft. Nabil Boutros, 1954 in Kairo geboren, studiert nach einer kunsthandwerklichen Ausbildung in seiner Heimatstadt bildende Kunst in Paris. Zunächst ziehen ihn vor allem Malerei und Bühnenbildgestaltung an, bis er sich Anfang der 1990er Jahre nach und nach der Fotografie zuwendet und eine Lücke zu schließen beginnt: Auf einer Reise durch Ägypten fotografiert er seine Landsleute. Er stellt er sich dazu eine ganz einfache Frage: „Was heisst es, Ägypter zu sein?“ Nabil Boutros, der mit dem Französischen und dem Arabischen aufgewachsen ist, fragt auch sich selbst, inwiefern er Ägypter ist.

Daraus entsteht eine erste Serie, Portraits d’égyptiens (Porträts von Ägyptern). Es folgen weitere Serien zu Themen wie der ägyptischen Volksmusik, der Nacht und koptischen Riten. 2003 erhält er den Auftrag zu einer Reportage über Kairo für die Ausstellung Musulmanes, musulmans (Moslems, Muslimas), die im Parc de la Villette in Paris gezeigt wird. „Damals wurde ich mir der Ausbreitung eines gewalttätigen Islamismus und einer Islamisierung der Gesellschaft bewusst. Die neue Frage lautete: „Was geht heute in Ägypten vor sich?“.

Nabil Boutros entscheidet sich, in Farbe zu arbeiten. Seine Arbeit L'Égypte est un pays moderne, (Ägypten ist ein modernes Land) ist ironisch gemeint. Diese Haltung ist mittlerweile Programm. Im Juni 2010 stellt Nabil Boutros einen Kleiderfundus für seine neue Serie Égyptiens (Ägypter) zusammen. Der Bart wächst weiter, dann lässt er sich einen Schnurrbart, einen Ziegenbart stehen und wartet wieder, dass der Bart wächst. Falscher Bart und Photoshop kommen nicht in Frage. Ein Freund, der ein Zentrum für zeitgenössische Kunst in Kairo leitet, das Darb 1718, schlägt am Jahresende vor, neun der zwanzig Aufnahmen zu zeigen – am 31. Dezember sterben bei einem Anschlag auf eine koptische Kirche in Alexandria um die zwanzig Menschen. „Er wollte ein Zeichen gegen diese Schandtat setzen. So schlug er mir vor, meine Serie in Plakatform zeigen und in Tous Égyptiens (Alles Ägypter) umzubenennen.“ Rund zwanzig Kultureinrichtungen beteiligen sich am Druck von 7000 Exemplaren, die in ganz Kairo, aber auch in Alexandria, Al-Minya und Assiout verteilt werden.

Am 25. Januar 2011 finden die ersten Demonstrationen statt, allen voran auf dem Tahrir-Platz in Kairo, um den Rücktritt von Präsident Mubarak zu fordern. Es ist der Beginn der Revolution. Die Protestierenden lassen sich mit Soldaten oder neben Alles Ägypter-Postern fotografieren.

Zurück in Paris, wo er lebt, sieht Nabil Boutros bestürzt zu, wie sich die Menge in Ägypten seiner Arbeit bemächtigt: „Diese Poster sind eine Art zu sagen: ,Wir dürfen uns nicht weiter spalten!ʻ Ich hatte zunächst Vorbehalte. Ich hatte Sorge, dass die Poster zu Kommunikation verkommen würden. Aber die Mehrdeutigkeit ist immer noch hoch genug, um die Leute aufzurütteln. Das passt mir also sehr gut ...“

Auch wenn Nabil Boutros bereits mit einem anderen Projekt beschäftigt ist, fehlen noch vier oder fünf Selbstporträts, „insbesondere eines als Bauer und eines als Bürohengst in der Verwaltung.“ Die, denen er bereits sein Gesicht gegeben hat, „sind alles, aber nicht ich“, wie er beschwört. Mehr noch: „Sie sind all das, was ich verabscheue!“

Erst veröffentlicht im Magazine 6mois N°2  Herbst / Winter 2011 von Philippe Séclier. Aus dem Französischen übersetzt  von Anna-Telse Jagdmann.

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Ausstellung Alles Ägypter | 10. bis 24. Juni 2017
Voltaplatz, Basel
www.nabil-boutros.com
www.imageafrique.com


Everyday Africa im virtuellen und wirklichen Raum

Ein Spiel mit Realitäten und ein wahrlich hintergründiges Projekt, das in Zusammenarbeit von Image Afrique, Tagxy Augmented Reality App und dem Everyday Africa Project drei Wochen lang in der Basler Innenstadt realisiert wird

Im Rahmen des Image Afrique Festivals 2017 werden mittels der Tagxy - Augmented Reality App digitale Inhalte an Stelle von Werbeplakaten in der Basler Innenstadt sichtbar gemacht. Mit dem Blick durch die Kamera der Tagxy-App wird die reale Welt mit Fotografien des Instagramprojekts Everyday Africa erweitert. Die Nutzer scannen mit dem Smartphone die Werbeplakate der Basler Innenstadt und erleben so die Welt von Everyday Africa. Die Bilder können geliked, kommentiert oder in den sozialen Medien geteilt werden.

Everyday Africa kämpft gegen die Klischeebilder von Afrika als Ort voller Armut, Krankheiten und Krieg. Mit den besten Fotos aus dem gefeierten Online-Projekt vom Alltagsleben auf dem afrikanischen Kontinent, zeigt die Ausstellung seltene Einblicke von ungeahnter Schönheit; sie lenken die Wahrnehmung von sensationslüsternen Extremen auf eine geordnetere, vertraute Wirklichkeit um. Die Bilder und Kommentare sprechen Bände über die gängige Wahrnehmung Afrikas und unterstreichen gleichzeitig die immer engere Vernetzung des Kontinents innerhalb einer globalisierten Welt. 325.000 Menschen folgen Everyday Africa auf Instagram, wo es 2012 von Peter DiCampo und Austin Merrill gestartet wurde.

Das Projekt provoziert eine vielschichtige Auseinandersetzung mit Wahrnehmung, Wahrheit, Erwartungen, Realität und Täuschung. Gleichzeitig hat es zum Ziel, zeitgenössische afrikanische Fotografie in den Fokus der Öffentlichkeit zu rücken.

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Everyday Africa im virtuellen Raum | 8. Juni bis 2. Juli 2017
Plakate in der Basler Innenstadt

www.imageafrique.com
www.tagxy.com
Everyday Africa


Zeitgenössische afrikanische Fotografie aus der Edition POPCAP

Die Ausstellung im Hotel Euler in Basel präsentiert 13 Arbeiten von Gewinnerinnen und Gewinnern des CAP Preises für zeitgenössische afrikanische Fotografie.

Die Ausstellung mit Fotografien aus der Edition POPCAP findet in der Art Passage des Hotel Eulers in Basel statt. Das Hotel Euler wurde 1867 von Abraham Euler gebaut 2015 renoviert und steht heute für Kunst, Kultur und Kulinarik. Die Ausstellung umfasst rund 100 Arbeiten aus dem Kongo, Südafrika, Kenia, Kamerun, Italien, Tunesien, Angola, Mosambik, Namibia und Ägypten.

Die Edition POPCAP wird seit 2015 von der CAP Association, verlegt und verfolgt das Ziel afrikanische Fotografie in der Kunst zu fördern und mehr Öffentlichkeit für Künstlerinnen und Künstler, die sich mit dem afrikanischen Kontinent befassen, zu schaffen. Jährlich werden die fünf durch den CAP Prize ausgezeichneten Künstlerinnen und Künstler dazu eingeladen an der Edition POPCAP teilzunehmen.

Die ausgestellten Werke stammen von Thom Pierce,  Julia Runge, Filipe Branquinho, Tahir Carl Karmali, Zied Ben Romdhane, Romaric Tisserand, Ilan Godfrey, Léonard Pongo, Dillon Marsh, Graeme Williams, Guillaume Bonn, Nabil Boutros, Paolo Patrizi

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Ausstellung der Edition POPCAP | 2. Februar bis 24. Juni 2017
Hotel Euler, Centralbahnplatz 14, Basel
www.editionpopcap.com
www.imageafrique.com


Der Klang von Sprache

Image Afrique Stadtsprachen ist ein mehrsprachiges Literaturprogramm im Rahmen des Image Afrique Festivals 2017.

Zwei Leseabende bieten eine einmalige Entdeckungsreise in die afrikanische Literatur unserer Gegenwart und Gelegenheit, mit außergewöhnlichen Autorinnen und Autoren ins Gespräch zu kommen.

Das Image Afrique Festival setzt sich für die Vermittlung eines zeitgemäßen Bild Afrikas und den Austausch zwischen Kulturen ein. Um Kulturenvielfalt geht es auch im Konzept von Stadtsprachen – ein Festival und Literaturmagazin der Berliner Literarische Aktion e.V., das der multilingualen Gegenwartsliteratur Berlins eine Plattform bietet.

Mit Unterstützung des Literaturhaus Basel bringt Image Afrique die Idee von Stadtsprachen nach Basel. Sechs im deutschsprachigen Raum lebende Autorinnen und Autoren mit afrikanischem Hintergrund tragen in der Originalsprache sowohl bekannte als auch bisher unveröffentlichte Texte aus ihren literarischen Werken vor. Im Anschluss lesen Schauspieler die Texte in der deutschen Übersetzung; einige davon wurden extra für diese Performance übersetzt und sind erstmals in deutscher Sprache zu hören.
Gelesen wird auf Tswana, Yoruba, Kisuaheli, Songhay, Englisch, Französisch und Deutsch.

Die Lesungen moderieren Acèle Nadale, Literaturwissenschaftlerin und Gründerin von Afrolivresque, und Martin Jankowski, Berliner Literarische Aktion, e.V., Herausgeber des Stadtsprachen Magazins und Autor.

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Image Afrique Stadtsprachen
Freitag, 23. Juni 2017, 19:30 Uhr. Der Eintritt ist frei
Naturbad Riehen: Weilstrasse 69, 4125 Riehen
www.naturbadriehen.ch

Autoren:
Henri Michel Yéré (Elfenbeinküste/Schweiz)
Steve Mekoudja (Kamerun/Deutschland)
Mohomodou Houssouba (Mali/Schweiz)

Samstag, 24. Juni 2017, 19:30 Uhr. Der Eintritt ist frei
Rhybadhüüsli St. Johann: St. Johanns-Rheinweg 50, 4056 Basel
www.rhybeli.ch

Autorinnen/Autoren:
Jùmọké Bọlanle Adéyanju (Nigeria/Deutschland)
Wilfried N'Sondé (Demokratische Republik Kongo/Frankreich/Schweiz)
Goitseone Montsho (Südafrika/Deutschland)

www.stadtsprachen.de
www.literaturhaus-basel.ch

www.imageafrique.com


Afrika in 24 Bildern pro Sekunde

Eine Filmreihe im Rahmen des Image Afrique Festivals im Kino Sputnik in Liestal präsentiert Filme aus fünf Ländern mit Geschichten aus der Gegenwart.

Zwischen dem 18. und dem 21. Juni 2017 zeigt Image Afrique im Kino Sputnik im Kulturhaus Palazzo sechs Spielfilme aus und über Afrika. Kurator der Filmreihe ist Eric van Grasdorff. Der Politikwissenschaftler veranstaltete von 2004 bis 2016 die monatliche Filmreihe African Reflections in den berliner Hackesche Höfe Kinos. Außerdem leitete er mehrere Jahre die deutsche Sektion von AfricAvenir, einer politisch unabhängigen und gemeinnützigen Nichtregierungsorganisation, die sich auf dem Gebiet der politischen Bildung sowie der Wissensproduktion und -verbreitung aus afrikanischer Perspektive sowohl in Afrika als auch in Europa engagiert.

Thematisch befassen sich die ausschließlich zeitgenössischen Filme mit brisanten politischen und gesellschaftlichen Themen des heutigen Afrikas, wie etwa Frauenrechte, Rassismus oder Bildung.

So erzählt der tunesische Film À peine j’ouvre les yeux der Regisseurin Leyla Bouzid die Geschichte der lebenslustigen Farah, die gerade die Schule beendete und davon träumt Musikerin zu werden. Es ist Sommer 2010, die Spannungen im Land sind spürbar, die Liedtexte von Farahs Band erregen rasch die Aufmerksamkeit des Geheimdienstes und so wird die Sängerin unerwartet mit den Folgen ihrer Musik konfrontiert.

In ihrem Film Des Etoiles widmet sich die vielfach preisgekrönte Regisseurin Dyana Gaye dem Leben ihrer Protagonistinnen und Protagonisten im Exil in Turin, Dakar und New York. Ihre Wege kreuzen und verlieren sich wieder. Gaye zeichnet in ihrem Film ein aktuelles Bild der Situation von Migrantinnen und Migranten mit all seinen Härten, Hoffnungen und Träumen nach.

Zum schweizer Beitrag des Programms, der Komödie Usgrächnet Gähwilers, die humoristisch mit der zweifelhaften Doppelmoral des schweizer Kleinbürgertums spielt, findet im Anschluss an die Vorführung ein Gespräch mit dem Regisseur Martin Guggisberg statt.

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Image Afrique Filmreihe | 18. bis 21. Juni 2017
Kino Sputnik, Kulturhaus Palazzo, Am Bahnhofplatz, Liestal
www.palazzo.ch
www.imageafrique.com


Plakativ

Eine öffentliche Plakatausstellung am Lindenberg präsentiert nigerianische Poster und von Basler Jugendlichen gestaltete Pendants im Rahmen des Image Afrique Festivals 2017.

Die ausgestellten Plakate wurden von einer Fotoklasse der K’Werk Bildschule bis 16 - Schule für Gestaltung Basel in Kooperation mit den Basler Afrika Bibliographien und dem Zentrum für Afrikastudien der Universität Basel erarbeitet.

Plakate aus den 1990er Jahren aus Nigeria dienten als Inspirationsquelle. Die Plakate aus der Sammlung der Basler Afrika Bibliographien zeigen Darstellungen zu Themen wie Lifestyle, Politik, Sport oder Religion, häufig ergänzt mit einem Jahreskalender. Die Collagen aus Zeitschriftenbildern sind billig hergestellte Massenprodukte. Sie wurden auf Märkten in ganz Westafrika verkauft und als Wandschmuck in Privatwohnungen oder kleinen Betrieben aufgehängt.

Die Jugendlichen des K’Werks stellten sich in einem mehrwöchigen Workshop Fragen wie: Was bewegt mich? Was interessiert heute bei uns das Publikum? Wie stelle ich ein Thema dar? Wo bekomme ich die Bildausschnitte her? Oder: Wie ist das mit dem Copyright? Die Antworten wurden mit den Mitteln der Fotografie zu Postern verarbeitet und sind in der Ausstellung den Inspirationsquellen gegenübergestellt.

Die Plakate werden auf der Aussenmauer des Lindenberg 10 in Kleinbasel während zwei Wochen frei zugänglich ausgestellt.

Mit Arbeiten von Jonas Hoffmann, Julian Linders, Jashnika Meier, Marina Ropero Garcia-Arroba, Leora Schwengeler, Meret Voisard.

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Plakatausstellung des K’Werk | 16. Juni bis 2. Juli 2017
Lindenberg 10, Basel
www.kwerk.ch
www.imageafrique.com


Image Afrique Festival 2016 | Ein Rückblick

Kurzer Retrospektiv-Film zum Image Afrique Festival 2016 vom September 2016.